Das Arschgeweih der Literatur
Dass sich einer der nervigsten Wurmfortsätze der Marketing-Maschinerie jetzt als korrupte Kackscheiße (via: Links von Dirk Hesse) herausstellt, überrascht mich nur milde. Die Rede ist vom unsäglichen SPIEGEL-Bestseller-Aufkleber, der—gemeinsam mit seinen Scheißgeschwistern A Netflix Series und Tik-Tok-Phänomen—jedes Buchcover verschandelt. Und während man diese Sauerei bei physischen Büchern noch beseitigen kann …
… ist mensch bei Ebooks aufgeschmissen. Rein aus optischen Gründen war mir das schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt verdichten sich nach SZ-Recherchen aber zusätzlich noch die Indizien, dass dieses „Gütesiegel“ natürlich gekauft werden kann!
Ich fasse zusammen:
- SPIEGEL-Bestseller-Aufkleber ist nicht viel wert.
- SPIEGEL-Bestseller-Autor-Aufkleber ist gar nichts wert, denn diese rot-weiße Ausgeburt der Werbehölle kann sich ein*e einmalige*r „SPIEGEL-Bestseller“-Autor*in auf jedes nachfolgende Buch pappen—völlig unabhängig von irgendwelchen Erfolgsmetriken des bepappten Buches. Das war mir neu!
- Empfehlungen für Bücher und Medien allgemein kommen bei mir weiterhin von: (1) Freunden und Familie, (2) meinen kuratierten RSS-Feeds und (3) Zufallsentdeckungen.
An dieser Stelle noch ein dickes Lob an den Carl Hanser Verlag, der auf den Seiten seiner Bücher unter Downloads, Cover ohne Button eine Bilddatei für Bücher-Punks anbietet. Zum Beispiel bei Daniel Schreibers Die Zeit der Verluste.