Eine Seite noch – Glückliche Fügung bei Meike Winnemuth

Es ist für mich immer so eine Sache, schöpferisch tätige Menschen leibhaftig in Aktion zu erleben. Einerseits genieße ich es, mich kurz mit ihnen in einem Raum zu wissen und mich dann und wann freudiger Starstruckness hinzugeben. Andererseits hinterlässt das bloße Erleben gern auch mal ein Gefühl von Unruhe und unproduktiver Passivität in mir: Menschen kommen zusammen, konsumieren und gehen auseinander, ohne einen spürbaren Effekt über den Konsum hinaus. Meh. Das war am heutigen lit.COLOGNE-Abend definitiv anders.
Meike Winnemuth stellte—moderiert von Felix Mauser—ihr neues Buch Eine Seite noch vor; eine 200-seitige Liebeserklärung an das Lesen, im Rahmen eines seit über einem Vierteljahrhundert bestehenden Literaturfestivals, vor einem lesebegeisterten Kölner Publikum. Es lässt sich schlechter zelebrieren. Frau Winnemuth hat Charisma, spricht wie sie schreibt und andersherum und ihre Erfahrungen und Überzeugungen verbreitet sie mit keckem Witz und Begeisterung. Herr Mauser stellte mit seiner ruhigen Art, seinem feinen Humor und einer hervorragenden Vorbereitung den passenden Bühnenpartner dar.
Für einen schönen Abend hätten diese Zutaten locker gereicht.
Dank Katharina wagten wir uns aber sogar todesmutig in die erste Reihe, direkt neben die Stühle mit den mit Namen bedruckten A4-Blättern, die wichtige Menschen verheißen. Wie unsere Sitznachbarin Elisabeth, ihres Zeichens Lektorin von Meike Winnemuth beim Penguin Verlag. Wir kamen direkt ins Gespräch, das nur durch die 90-minütige Veranstaltung unterbrochen wurde. Danach ging es nahtlos weiter, übers Schlangestehen für die Signierstunde bei einem Kaltgetränk, bis hin zum Foto zu viert mit der Autorin. (Das es später sogar auf ihren Instagram-Kanal schaffte. Wir sind nicht starstruck, du bist starstruck!) Es ging um Elisabeths Arbeit, was wir alle so lesen und den Literaturbetrieb im Allgemeinen—eine richtig launige Angelegenheit! Vom Lausch- zum Plauschabend.
Und das war also wieder so einer! So ein Serendipity-Moment, eine glückliche Fügung, die eine kurze Episode zu etwas Besonderem, etwas Erinnerungswürdigem macht. Momente, von denen Meike Winnemuth so begeistert in ihren Büchern erzählt.