KalkKunst 2026

Gerade kam die Zusage per Mail rein! Ich werde auch dieses Jahr wieder bei KalkKunst als ausstellender Künstler dabei sein dürfen!

Die Vernissage findet am 10. Oktober in den Abenteuerhallen Kalk statt und die Ausstellung selbst im öffentlichen Raum vom 10. bis 30. Oktober.

Na dann ans Werk! Bloom, not doom!

Vernissage

Eins der Kunst-Highlights meines Jahres ist vorbei und es war wieder grandios! Ich bin so glücklich über die Weiterentwicklung meiner künstlerischen Praxis, sehr zufrieden mit den gewagten Neuerungen bei Hängung und Interaktion und verdammt dankbar für meine Freunde und die Menschen, die ich im Rahmen von KalkKunst 2026 (wieder)getroffen habe.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen mehr mit Farbe, Flächigkeit und visueller Komplexität zu arbeiten und ich denke, dass mir das in Ansätzen gelungen ist. Vier Arbeiten habe ich bei der Vernissage ausgestellt.

Zwischen platz und licht

Blackout Poetry auf dem Zeitungsartikel Zwischen Bolzplatz und Blaulicht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 20.06.2026, erschienen in der Reihe Abgehängt in Köln – Wenn die Postleitzahl entscheidet

Blackout Poetry bedeutet, große Teile eines Textes zu schwärzen, bis nur noch ein Gedanke, ein Gedicht, Kauderwelsch, ein Ausruf der Freude, eine Empörung oder was auch immer übrig bleibt. Aus einer Optik, die vor allem wegen des Aktes der Zensur negativ konnotiert ist, entsteht eine neue Lesart des darunter liegendes Textes. Nicht destruktiv oder mit der Absicht zu verschleiern, sondern kreativ- produktiv.

Das Offizielle, das Gefüge des Zeitungsartikels bleibt, aber der Text mit seinem kontroversen Framing wird umgeformt zu Botschaften, zu Tiefsinnigem, aber auch zu Quatsch, zu spontanen Eingebungen, zu textlichen Assoziationsketten. Die Restriktion durch das geschriebene Wort kann völlig ungeahnte Ideen hervorbringen—Kreativität durch Einschränkung.

Ich habe für diese Arbeit verschiedenste Menschen und Akteure im Bezirk Kalk zur Zusammenarbeit eingeladen. Die Resonanz war fantastisch, die Anzahl der eingegangenen Blackout Poems einzig der Kurzfristigkeit meiner Anfrage geschuldet. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben, und an alle, die sich trotz enger Kapazitäten die Zeit für bestärkende Worte genommen haben! Kalk ist geil.

35,64 m (Kalk zählt)

Eine mit Pilot V5 Hi-Tecpoint Tintenroller schwarz und rot auf 170 g Zeichenkarton geplottete Textarbeit

Im Sommer 2023 befragte das Beteiligungsportal Meinung für Köln im Rahmen des Projektes Programm Kalk die Bewohner*innen des Stadtteils zu konkreten Wünschen und Maßnahmen in den drei Kategorien Mehr Grün, Mehr Vielfalt und Weniger Konflikte. Die Ergebnisse wurden am 13.06.2024 auf der Offene-Daten-Plattform der Stadt veröffentlicht. Ich habe mit Hilfe statistischer Text-Analyse die 500 signifikantesten Worte und Wort-Paare aus den Antworten extrahiert um diesen eher verstecken Wortmeldungen der Menschen einen Raum zu geben. So geballt lassen sich die Wünsche gut ablesen: Mehr Grün, mehr Entsiegelung, weniger Autos, mehr Angebote, mehr Aufenthaltsorte, mehr Sichtbarkeit, mehr Teilhabe.

Obwohl das Beteiligungsportal unter der Kategorie Weniger Konflikte auch Beispielaspekte wie Konfliktvermeidung und Sicherheit erhöhen anregte, lassen sich Wort wie Kriminalität, Drogen oder Razzia in dem Textkorpus nicht finden.

Für die Berechnung, Sortierung und Extraktion der signifikanten Schlüsselwörter in den Befragungsdaten habe ich ein kleines Programm in Python geschrieben, das die Bibliotheken YAKE (Yet Another Keyword Extractor) und spaCy (natürliche Sprachverarbeitung) nutzt.

54,02 m (Michaela)

Verfremdete Geometrien, mit Pilot V5 Hi-Tecpoint Tintenroller blau auf 250 g Zeichenkarton geplottet

Michaela Polacek (*1972, Wien) gestaltete mit Fineliner und Tuschefüller mehrere Quadratmeter große Papierflächen mit minutiöser Technik und erzeugte mit kleinteiligen, an Ornamentik erinnernden Mustern, Texturen und organisch anmutenden Gebilden eine Opulenz und Komplexität, die sagenhaft ist. Ich hatte das Glück, einige ihrer Werke bei der Ausstellung Lebt und arbeitet in Wien – Contemporary Art from Vienna der Kunsthalle Wien aus nächster Nähe betrachten zu können. Sie hat mich inspiriert, mich mit meinen Pen-Plotter-Arbeiten ebenfalls auf die Suche nach Komplexität zu machen—Komplexität, die nicht komplizierter Mathematik oder großen Datenmengen entspringt, sondern rein aus der feinen Arbeit mit einfachen Geometrien und Mustern. Diese Arbeit ist nur ein erster, winziger Schritt in diese Richtung.

Michaela Polacek ist nach kurzer und schwerer Krankheit in der Nacht auf den 18. Juni 2026 verstorben—während ihre Werke noch bis zum 21. Oktober 2026 in der Kunsthalle Wien hängen.

Dieses Bild ist ihr gewidmet.

Der Ausgangspunkt für diese Arbeit war ein regelmäßiges Gitter von Sechsecken, die entlang eines durch eine Rauschfunktion erzeugten Strömungsfeldes verformt wurden. Die Pakete paralleler Linien, die manche Seiten der Sechsecke verbinden, verlaufen entlang der gleichen Strömungen. Durch die Stauchung und Aufblähung dieser eigentlich rigiden Geometrien entsteht etwas Neues.

14,37 m (Throwback)

Meine verspielteste Arbeit, mit uni-ball SIGNO broad Gel-Roller gold auf schwarzes 120 g Tonpapier geplottet

Kennt ihr noch den Spirograph? Ein geometrisches Zeichenspielzeug, mit dem man verschiedene mathematische Rollkurven zeichnen kann—ich hatte als Kind sehr viel Spaß mit diesem Gerät!

Ich habe mir eine Art dieser Kurven mathematisch erschlossen und in Code umgesetzt, was es mir nun ermöglicht eine endlose Zahl von zufällig generierten Spirograph-Designs zu generieren. Eine Auswahl von 150 Mini-Kurven seht ihr oben. Ein komplexeres Beispiel habe ich als Kratzbild mit einem Holzstäbchen geplottet—für den ultimativen Throwback in die Kindheit.

Mein Code ist eine Implementierung des Papers Wheels on Wheels on Wheels—Surprising Symmetry von Frank A. Farris aus dem Jahr 1996.


Die Photos oben lassen zwei Neuerungen meiner diesjährigen Hängung erkennen: (1) Ich habe ohne Rahmen mit nervig spiegelndem Plastikglas gearbeitet, sondern meine Bilder auf Karton aufgeklebt und diesen wiederum mit Abstandshaltern auf alten Umzugskartons angebracht. (2) Ich habe die Besucher*innen der Vernissage eingeladen, auf den Kartons selber künstlerisch tätig zu werden und sich an Blackout Poetry zu versuchen. Für Letzteres hatte ich Flyer und schwarze Marker dabei.

Beides hat ausgesprochen gut funktioniert! Die Idee mit der Pappe als Hintergrund kam mir von meinem ersten eigenen Kunstkauf und auf die Abstandshalter bin ich durch Charlotte Pohl gekommen, die bei der Ausstellung Blue Link im Machwerkhaus ähnlich präsentiert hat. Meine Mama meinte: Die Schlichtheit des Kartons reduziert den Abstand von Kunst und Betrachter extrem! Ein genialer Schachzug was Aufnahme und Akzeptanz deiner Kunst anbelangt! Die Gespräche, die ich dazu vor Ort geführt habe, geben ihr Recht.

Bei dem interaktiven Teil lief es wie immer: Jemand muss den ersten Schritt machen. Darum haben sich Jenni und Landon dankenswerterweise gekümmert und danach flutschte es. Kunst als gemeinsames Ritual. Ich könnte mich daran gewöhnen.


Bei der Taufe unseres Patenkindes habe ich ihr in der Fürbitte gewünscht, dass sie immer Menschen hinter, neben und vor sich haben möge, die sie in dem bestärken, was sie glücklich macht. Der Tag heute hat mir wieder bewiesen, dass ich solche Menschen gefunden habe. Was Selbstgemachtes auszustellen ist für mich nach wie vor mit großer Aufregung verbunden, da helfen ein paar freundliche Gesichter enorm! Allen voran natürlich Katharina—meine Partnerin (in crime), Unterstützerin, Muse, Co-Kreative und Art Director meiner Präsentation.

Jenni—Mastermind hinter dem hier omnipräsenten zines.cool—und Landon—von dessen Zines ich auch schon in meinen Notizen schrieb—habe ich oben schon erwähnt. Beide kenne ich aus der Zine-Community und noch gar nicht so lange, trotzdem sind sie meiner Einladung gefolgt und aus Düsseldorf angereist. Ich hab’ mich riesig gefreut!

J und R waren da, A1 war wieder dabei, diesmal mit Überraschungsgast M aus Berlin, A2 war da! Alle mit lieben Worten (teilweise auf meinen Kartons verewigt) und ehrlichem Interesse. Ein sagenhaftes Gefühl—ich danke euch allen von Herzen!

Selbst meine Buchbinden-Dozentin kam auf ein Kaltggetränk rum. Und so war dieser ganze Abend mal wieder so ein wohliges Tummeln mit lieben Menschen, zwischen Kunst und voller guter Gespräche. Auch, oder besser gesagt: vor allem, weil das KalkKunst-Team es so vorzüglich versteht, eine geile Vernissage auszurichten. Grußworte von der Bezirksbürgermeisterin Claudia Greven-Thürmer, lecker Buffet, kalte Getränke auf Spendenbasis, Live-Band, DJ und die Magie der AbenteuerHallenKalk … Es war ein toller Abend—danke an die Orga, alle Beteiligten und alle teilnehmenden Künstler*innen. Eure Kreativität und Kunstfertigkeit begeistern mich.

Ich bin platt und happy!

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke von Antje Julius’ Instagram:

Umzug in den öffentlichen Raum

Nach der Vernissage ist vor dem Umzug in den öffentlichen Raum bei KalkKunst! Ich habe meine Bilder heute im Kalker Buchladen aufgehängt und dabei einen schönen Plausch mit dem freundlichen und interessierten Menschen vor Ort gehabt.

Ich liebe diesen Anblick: Meine Sachen inmitten von Büchern. Besser geht es kaum.

Die Arbeiten weiterer Künstler*innen findet ihr an den folgenden Orten:

Kunst-Spaziergänge wird es auch wieder geben:

Ich werde es leider zu keinem der Termine schaffen, aber bei der Finissage am 30. Oktober ab 18:00 im Pavillon Kalk bin ich am Start. In der Zwischenzeit können wir in der grauen Jahreszeit bunte Kunst überall in Kalk genießen—mit der Online-Karte von KalkKunst.

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