PhilharmonieLunch

Das PhilharmonieLunch hat nichts mit Essen zu tun. Stattdessen ist mensch eingeladen die halbe Stunde von 12:00 bis 12:30 bei einer Probe in der Kölner Philharmonie kostenfrei zu verbringen. Ein starkes Konzept, von dem ich schon einige Male gehört hatte und heute endlich die Zeit auch mal teilzunehmen.

Ich kam vom Alter Markt und konnte schon früh die Menschentraube sehen, die sich vor dem schmalen Eingang der Philharmonie gebildet hatte. Um 11:35! Eine Frau hinter mir erklärte ihrer Begleitung, dass wir alle locker noch reinkommen werden, aber wer Probleme mit Menschenmassen und ein paar Minuten Ellenbogen-an-Ellenbogen-Stehen hat, sollte lieber schon 11:15 da sein. Die Frau sollte Recht behalten, mehr als eine Handvoll leere Plätze konnte ich im Saal aber nicht ausmachen.

Drinnen erwarteten uns das WDR Sinfonieorchester und Dirigentin Simone Young. Die MusikerInnen mal in T-Shirt und Jeans zu sehen, anstatt in der sehr vereinheitlichenden Uniform von Anzug und Kostüm, war sehr erfrischend. Das sind ja Menschen! Und Simone Young ist mal eine richtig arschcoole Person, die mit viel Humor und ihrem Orchester gegenüber liebevoller Strenge durch die halbe Stunde führte. Wir bekamen das komplette Pavane pour une infante défunte in der Orchesterfassung zu hören und ich fühlte mich sofort nach Mittelerde gebeamt. Das ca. sechsminütige Stück von Maurice Ravel hat etwas von Film-Score. Wahrscheinlich kein Zufall, dass das morgen gemeinsam mit der Symphonie in Fis op. 40 von Erich Wolfgang Korngold aufgeführt wird, den es auf der Flucht vor den Nazis von Österreich nach Hollywood führte, wo er eine großartige Karriere als Filmkomponist machte.

Für Menschen wie mich, die morgen nicht zum Konzert gehen, hatte Simone Young noch einen Film-Tipp: Robin Hood von 1938 mit Errol Flynn und eben einem Soundtrack von Erich Wolfgang Korngold.

In der zweiten Hälfte konnten wir der Kapellmeisterin und ihrem Orchester beim Feintuning zuschauen. Da wurde mal nach Assistenzdirigentin Hannah gerufen, die auf dem Oberrang lauschen sollte, ob die zweite Stimme der Streicher durchkommt. Dann wurden die Violinen ermahnt, den Bogen noch länger laufen zu lassen, bis kein Taktstrich mehr hörbar ist. Ein sehr spaßiger Blick hinter die Kulissen!

Hab das oben genannte Stück und das Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur danach direkt in der Stadtbibliothek ausgeliehen, denn—ja, ich gestehe—ich kannte bisher nur den Bolero von Ravel. Der scheint aber ein spannender Typ gewesen zu sein, mit einer großen Affinität zum Jazz. Also werde ich noch ein paar Sachen von ihm nachholen. Und Robin Hood sowieso!